Fleischlosbällchen: IKEA und die Wende

von Alex

Wer war noch nie bei IKEA? Jeder. Und wer hat dort schon mal Fleischbällchen gegessen? Auch fast jeder. IKEA verkauft ja schließlich rund 1 Milliarden Fleischbällchen weltweit im Jahr. Da hat man gute Chancen dabei gewesen zu sein. Und wer hat schon mal einen Plantball gegessen? Bestimmt so gut wie niemand. Plantball – oder im deutschen auch Fleischlosbällchen genannt – sind IKEAs Antwort auf Beyond Meat und die fleischlose Ernährung. Verkaufsstart ist August 2020 und ich habe sie schon vorab probieren dürfen. Meine Meinung und ein Interview mit der IKEA Food Managerin von IKEA Innsbruck liest du in diesem Artikel. Soviel sei aber schon verraten: Die Fleischlosbällchen haben mich überrascht.

Plantballs top secret

Ich bin bei IKEA Innsbruck und komme mir ein wenig komisch vor. Die sonst so entspannte Einkaufsatmosphäre ist Anspannung gewichen. In wenigen Minuten darf ich als eine der ersten Personen in Österreich die neuen Fleischlosbällchen probieren. Sie sind aber noch so geheim, dass man den Namen schon fast gar nicht aussprechend darf. Julia, die Food Managerin von IKEA Innsbruck, hat ihre Köchin Sonja angewiesen eine Portion der Plantballs zu machen. Sie sind noch gar nicht zu kaufen, unsere Portion kommt aus einer extra Lieferung aus Wien, der IKEA Österreich Zentrale. Und da kommen sie endlich. Julia bringt die Fleischlosbällchen aus der Küche direkt in das Kundenrestaurant. Optisch sehen sie komplett gleich aus wie ihre Verwandten, die Meatballs. Doch wer es nicht wusste, es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von unterschiedlichen Bällen im Restaurant bei IKEA.

IKEA Bälle-Paradies

Ich gehe sie mal von links nach rechts durch. Wir wollen ja nicht den Überblick verlieren.

  1. Geflügelbällchen: Schmecken schön saftig und ausgewogen. Haben die homogenste Masse unter den Balls.
  2. Fischbällchen: Haben eine schöne Kruste. Leider sind sie ein wenig trocken aber mit der richtigen Sauce sollte das kein Problem darstellen.
  3. Fleischlosbällchen: das sind sie also die neuen in der Familie. Ich persönlich finde, dass sie optisch am besten ausschauen. Besser noch als die Fleischbällchen. Und auch geschmacklich sollen sie ja genau diese Fleischbällchen langfristig ersetzen. Detail am Rande: die Teile heißen in der „Fachsprache“ VÄXTBULLAR.
  4. Fleischbällchen: der Klassiker. Wie gesagt, im Jahr werden 1 Milliarde davon verkauft. Auf schwedisch heißen sie eigentlich Köttbullar und man isst sie mit einer Rahmsauce, Kartoffeln und Preiselbeeren.
  5. Veggieballs: ebenso wie die Fleischlosbällchen sind sie für eine nachhaltigere Welt gebaut. Voll mit Gemüse sind auch sie eine absolut brauchbare Alternative. Aber halt nichts für den Fleischfresser.

Das ist bei IKEA auf jeden Fall eine runde Sache mit den ganzen Versionen. Die wenigsten Menschen sind sich dessen aber bewusst. Ich habe sie alle probieren dürfen und es hat Spaß gemacht sie zu verkosten.

Doch der eigentliche Grund meines Besuches waren ja die Fleischlosbällchen. Bevor ich euch meine bescheidene Meinung darüber verrate, habe ich aber noch die IKEA Food Managerin Julia interviewed.

Interview mit der IKEA Food Managerin

Hallo Julia! Vielleicht magst du dich mal kurz vorstellen …

Hallo, ich bin Julia und bin IKEA Food Manager im Standort Innsbruck. Ich komme ursprünglich aus Deutschland und bin vor vielen Jahren der Berge wegen nach Tirol gezogen. Ich habe 3 Kinder und weil das alles meinen Arbeitsalltag noch nicht genug auslastet, haben wir seit wenigen Tagen ein viertes Kind – ein Hundewelpen. Gerade wir, die wir hier in Tirol direkt in der Natur leben können, müssen besonders darauf achten, dass die Natur auch erhalten bleibt. Für uns und unsere Kinder.

Wieso werden Plantballs „die Welt besser machen“?

Das wichtigste Argument ist auf jeden Fall der ökologische Fußabdruck. Hier hinterlassen die neuen Plantballs nur 4% des Abdruckes der Fleischbällchen. Wenn wir es schaffen die Hälfte der Fleischbällchen mit den Plantballs zu ersetzen, macht das in Summe einen großen Unterschied.

Aber zusätzlich geht es auch um Awareness. Vielleicht ist ein Plantball ein kleiner Ball der eine ganze Lawine auslösen wird. So ist es ja auch ganz typisch bei uns in den Alpen 😊 Auch den Konsumenten ist es nicht mehr egal, was mit der Umwelt passiert. Speziell die jüngere Generation wird hier immer kritischer. Ich denke Corona hat uns hier eine Menge gelehrt aber auch viel beschleunigt.

Die Plantballs sind aber nicht nur für Veganer oder Vegetarier sondern für die breite Masse. Wir als IKEA haben hier immer schon einen großen Einfluss auf die Vielen. Wir können hier nicht immer nur erziehen oder verbieten – wir müssen Lösungen anbieten. Genauso wie beim Wohnen. 😊

Woraus bestehen die Plantballs?

Das Grundgerüst besteht aus Erbsen. Das Protein wird hier mit Wasserdruck extrahiert. Das wird dann mit Hafer, Kartoffeln, Zwiebeln, getrockneten Äpfeln, Rapsöl und Umami-Aromen (Anmerkung: Umami ist neben süß, sauer, salzig und bitter eine weitere Sinnesqualität der gustatorischen Wahrnehmung und der wird hier durch Zugabe von Champignons, Tomaten und einem Pulver aus gebratenem Gemüse erreicht) vermischt und das schmeckt dann eben fast so wie Fleischbällchen. Nebenbei haben Erbsen, Hafer und Äpfel einen großen Bezug zum kulinarischen Schweden.

Werden die Plantballs die Fleischbällchen verdrängen?

In Österreich ist der pro Kopf Fleischkonsum sehr hoch. Ob die Plantballs die Fleischbällchen wirklich komplett verdrängen kann ich hier nicht beantworten. Es wäre wie oben schon erwähnt aber natürlich gut für den ökologischen Fußabdruck.

Aus meinem privaten Leben kann ich sagen, dass mein ältester Sohn im Moment richtig viel isst weil er voll im Wachstum ist. Wenn es nach ihm gehen würde, dann gäbe es 24/7 Fleisch. Mit diesen Alternativen aber, kann man einen tollen Kompromiss finden. Meine Kinder reden in der Schule oft über Umwelt, Nachhaltigkeit und Tierschutz. Mit der richtigen Aufklärung hat man sie sehr schnell mit an Board und es macht ihnen sogar Spaß zu „unterstützen“.

Ich selber habe mich früher 12 Jahre lang fleischlos ernährt, mittlerweile esse ich aber doch gerne manchmal ein gutes Stück Fleisch. Doch mir ist die Qualität des Fleisches sehr wichtig. Wo kommt das Tier her und unter welchen Bedingungen wurde es gehalten. Die Plantballs sind eine gute Alternative um den Konsum von Fleisch in Grenzen zu halten ohne auf den Geschmack verzichten zu müssen.

Was braucht es um die Plantballs richtig zuzubereiten?

Das schöne ist, man braucht nicht viel um die Plantballs zuzubereiten. Ob am Herd, im Ofen, im Dampfgarer oder vielleicht sogar über dem Feuer – alles geht. Hier sind sich alle unsere Foodballs einig. Hauptsache eine Hitzequelle. Und je schonender desto mehr Vitamine bleiben erhalten. Hier unterscheiden sich die Plantballs nicht von einer Rohzutat.

Was sind die persönlichen Lieblings-Balls?

Im Moment sind meine Lieblingsbällchen immer noch die klassischen Fleischbällchen. Aber eigentlich esse ich sie alle gerne. Doch ab sofort gibt es eine Alternative zum Fleischbällchen und somit auch mehr Abwechslung. Es kommt auch immer darauf an, was ich zu den einzelnen Balls als Beilage dazu esse.

Was serviert denn IKEA zu den Plantballs?

Wir bieten die Plantballs ganz klassischen mit Kartoffelpüree, Erbsen und Preiselbeeren an. Alternativ wird es aber auch eine saisonale Beilage geben. Wir starten hier mit Kürbisrisotto, Kürbiskernen und Parmesan richtig herbstlich.

Und was würdest du zu Hause zu den Plantballs kochen?

Ich persönlich esse Fleischbällchen gerne auch mal kalt. Da die Plantballs geschmacklich ja sehr ähnlich sind, werde ich das auch mit ihnen teilweise tun. So verwende ich die gerne mal auf einem Salat als Topping, zu einer Gazpacho oder einfach nur als Fingerfood mit Burritos. Für die Partyleute gehen die auch wunderbar als Tapas weg.

Kommt ein Plant-Hotdog?

Das weiß ich nicht, aber wenn der Plantball beliebt wird, kann ich mir gut vorstellen, dass auch so etwas kommen wird. In unserem Schwedenshop im Erdgeschoß haben wir auch schon früher in Ausnahmefällen die Veggieballs an statt der Wurst vom Hotdog verwendet. Wir haben aber ohnehin schon den Veggie-Dog im Angebot.

Ist so ein Verfahren als Lachs-Ersatz auch angedacht?

Ich sitze nicht in der Entwicklung unserer Speisen. Persönlich finde es aber gut immer mehr Alternativen zu haben. Ich werden den Input aber sicherlich an unsere Produktentwicklung weiter geben.

Ernährung ist immer mehr im Wandel. Ist es geplant Gerichte für Veganer, Lowcarb oder andere Gruppen zu entwickeln und zu vermarkten?

Auch das weiss ich nicht. Als Konzern, der Verantwortung übernimmt, sollten wir aber auf jeden Fall Gerichte für jeden anbieten. Es ist immer stärker in den sozialen Medien aber auch ein Thema beim Kunden vor Ort.

Wenn du Produktentwickler wärst, welche Balls würdest du noch machen?

Was ich spannend fände und in unsere Range fehlt sind süße Bällchen. Irgendwas mit Topfen oder mit Hafer und Äpfeln – so typisch schwedisch. Vielleicht gibt es mal Meeresfrüchtebällchen mit Surimi (=Meeresfrüchte-Ersatz) … entdecke die Möglichkeiten – wie unser Firmengründer Ingvar Kamprad schon zu sagen pflegte.

Danke für das Interview!

Fleischlosbällchen im Test

Natürlich wollte ich die Fleischlosbällchen nicht allein verkosten und so habe ich mir kurzerhand drei Mitarbeiter von IKEA Innsbruck dazu geholt.

  • Sonia, die Köchin: über ihre Hand werden tausende Balls ihre letzte Reise antreten. Sie muss es wissen, sie hat den Vergleich
  • Steffi, Abteilungsleiterin im Verkauf und Mutter von 2 Kindern: auf der Suche nach fleischloser und zugleich schmackhafter Alternative
  • Philip, Abteilungsleiter im Verkauf und Genussmensch: hat einfach Bock auf gutes Essen

Und hier das Fazit ihrer Kostprobe:

Schmeckt sehr gut. Die Konsistenz ist wirklich fast gleich wie beim Fleischbällchen. Auf der Zunge schmeckt man die Gewürze stärker raus, auch die Zwiebel ist spürbar. Aber alles wirklich sehr gut.

Sonia, Köchin bei IKEA Innsbruck

Die Plantballs schmecken richtig gut. So ist das wirklich eine gute Alternative zu Fleisch. Im Moment haben wir zufällig auch andere Fleischersatzprodukte zu Hause durchgekostet wegen der Kinder. Und ich kann sagen diese Plantballs schmecken mit Abstand am saftigsten von allen. Bei den anderen Produkten war es meist eine richtig trockene Angelegenheit.

Steffi, Abteilungsleiterin Verkauf bei IKEA Innsbruck

Schmeckt mir auch richtig gut. Sie haben ein klein wenig mehr Nachgeschmack im Abgang. Durch den hohen Anteil von Proteinen könnte das auch eine richtig spannende Ernährung ergänzend zum Trainieren sein.

Philip, Abteilungsleiter Verkauf bei IKEA Innsbruck

Mein Fazit:

Nachdem jetzt alle zu den neuen Fleischlosbällchen von IKEA geredet haben und ich sogar die „Chefin“ interviewed habe, hier auch noch mein Fazit.

Mir persönlich schmecken die Plantballs richtig gut. Ich habe wie gesagt alle Balls testen dürfen und ich mag sie alle. Ich würde sie alle nur ungern alleine und ohne Beilage essen wollen. Das gehört für mich einfach dazu. Keine Diskussion, dass ein Steak nicht durch ein Fleischbällchen zu ersetzen ist. Muss es aber auch gar nicht. Und genau so verhält sich das mit den Fleischlosbällchen. Ich finde isoliert hat es einen stärkeren Nachgeschmack nach Rinderbrühe aber mit einer Beilage ist davon nicht mehr zu spüren.

Sie schauen toll aus und lassen sich gut beißen, sind also nicht zu homogen. Würde ich sie mir bei IKEA kaufen? Auf jeden Fall. Es ist nämlich etwas besonderes. Etwas, das wir brauchen werden, um den Bogen zu schaffen aus dieser globalen Klima-Kiste. Natürlich wird dieser Ball das nicht alleine tun, aber wenn ein Unternehmen wie IKEA sich der Verantwortung stellt, dann geht das auf jeden Fall in die richtige Richtung. Und wie gesagt: die Teile schmecken richtig gut.

Rezept für Pimp your Plantball:

Und da sind wir schon beim Thema: Beim Interview mit Julia habe ich gemeint, ich würde gerne ein Rezept mit den Fleischlosbällchen machen. Etwas, womit man den Rinderbrühe-Geschmack weg bekommt. Here we go:

How to pimp IKEA Plantballs. Eine einfaches Rezept um IKEA Fleischlosbällchen zu Hause zu verfeinern. Schnelle Küche für viele Gäste. Perfekte Sommerparty. Fingerfood.

Plantballs mit Feta und Gurke

Alex
Wer war noch nie bei IKEA? Jeder. Und wer hat dort schon mal Fleischbällchen gegessen? Auch fast jeder. IKEA verkauft ja schließlich rund…
Office Food Fleischlosbällchen: IKEA und die Wende Standard Drucken
Personen: 4 Vorbereitung: Kochen:
Nutrition facts: - calories - fat
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Zutaten

  • 36 Plantballs
  • 5 Pita-Brote zum Aufbacken
  • 1 rote Zwiebel
  • 1 Salatgurke
  • 150 g griechischer Sahne-Joghurt
  • 2 Tomaten
  • 150 g Feta
  • 1 Bund Petersilie
  • Schwarzkümmel
  • 1 Bio-Zitrone
  • Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer aus der Mühle

Rezept

  1. Die Plantballs laut Packungsanweisung in einer Pfanne erhitzen. Da ich zu der Zeit noch keine Packung hatte, habe ich sie einfach ohne Öl auf mittlerer Hitze rund 10 Minuten angebraten. 
  2. Die Gurke waschen und mit einem Spiralschneider in Fäden schneiden. Alternativ kann man die Gurken aber auch einfach raspeln. Da würde ich aber darauf achten, das wässrige Kerngehäuse zu entfernen. 
  3. Die Zwiebel schälen und in feine Scheiben schneiden. 
  4. Die Tomaten waschen, vierteln und die Kerne entfernen. Dann in Würfel schneiden. 
  5. Die Bio-Zitrone gut abwaschen und ein wenig Schale mit einer feinen Reibe abreiben. Nicht zu viel und auch nur das gelbe der Schale, nicht das bittere weiße. 
  6. Dann die Zitronenschale mit dem Joghurt verrühren. 
  7. Die Pita-Brote kurz aufbacken und dann der Länge nach halbieren, wir brauchen beide Seiten.
  8. Auf eine Brothälfte einen Esslöffel Joghurt streichen .
  9. Darauf Gurkenfäden verteilen. 
  10. Dann 3 warme Plantballs pro Pita-Brot platzieren. 
  11. Mit ein paar Zwiebelringen, Tomatenwürfel und Feta bestreuen. 
  12. Mit Salz und Pfeffer würzen und abschließend noch etwas gehackte Petersilie und Schwarzkümmel darüber streuen. 
  13. Wer mag kann noch mit etwas bestem Olivenöl beträufeln. 
How to pimp IKEA Plantballs. Eine einfaches Rezept um IKEA Fleischlosbällchen zu Hause zu verfeinern. Schnelle Küche für viele Gäste. Perfekte Sommerparty. Fingerfood.

*Dieser Artikel ist keine bezahlte Werbung, natürlich enthält er Produktplatzierungen und Markennamen. 

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